Ein altes Gemälde, eine ungewöhnliche Uhr, Schmuck aus einem Nachlass oder ein Möbelstück, bei dem man nicht so recht weiß, wie alt es eigentlich ist: Manchmal besitzt man etwas, das für den normalen Verkauf über eBay oder Kleinanzeigen zu schade oder schlicht zu schwer einzuschätzen ist. Dann kann ein Auktionshaus der richtige Ansprechpartner sein.
Das klingt zunächst vielleicht etwas einschüchternd. Schließlich denkt man bei Auktionshäusern schnell an Millionenpreise für berühmte Gemälde und an elegante Säle, in denen Kunstsammler um wertvolle Stücke bieten.
Doch Auktionshäuser verkaufen keineswegs nur Kunstwerke im Millionenbereich. Viele Häuser nehmen auch Antiquitäten, Schmuck, Uhren, Porzellan, Silber, Münzen, Sammlungen oder ganze Nachlässe an.
Und der erste Kontakt ist oft viel unkomplizierter, als man denkt.
Was macht ein Auktionshaus eigentlich?
Der wesentliche Unterschied zu einem normalen Händler ist schnell erklärt:
Ein Antiquitätenhändler kauft einen Gegenstand normalerweise selbst an und verkauft ihn anschließend weiter.
Ein Auktionshaus übernimmt dagegen die Vermittlung zwischen Verkäufer und Käufer. Das Stück wird in eine Auktion aufgenommen und dort einem interessierten Publikum angeboten.
Das kann gerade bei seltenen Gegenständen interessant sein. Denn wenn mehrere Interessenten dasselbe Objekt haben möchten, kann der Preis während der Auktion steigen.
Das funktioniert natürlich nicht bei jedem Gegenstand. Ein Auktionshaus entscheidet deshalb zunächst, ob ein Objekt zum eigenen Programm und zum erwarteten Käuferinteresse passt.
Wann lohnt sich ein Auktionshaus?
Ein Auktionshaus kann besonders interessant sein, wenn es sich um ein ungewöhnliches, seltenes oder möglicherweise wertvolles Stück handelt.
Dazu können beispielsweise gehören:
- Gemälde und Zeichnungen
- Skulpturen
- antike und historische Möbel
- hochwertiges Porzellan
- Silber und Kunsthandwerk
- Schmuck und Uhren
- Münzen und Medaillen
- alte Bücher und Grafiken
- historische Sammlerstücke
- Designobjekte
- asiatische Kunst und Antiquitäten
- größere Sammlungen
- Nachlässe
Auch wenn man selbst überhaupt nicht weiß, ob ein Gegenstand wertvoll ist, kann eine Anfrage sinnvoll sein. Denn genau dafür gibt es die Experten in einem Auktionshaus.
Der erste Schritt: Fotos und Informationen schicken
Man muss also nicht unbedingt gleich mit einem alten Schrank im Transporter vor dem Auktionshaus stehen.
Viele Häuser bieten inzwischen eine erste Einschätzung anhand von Fotos und Informationen zum Objekt an.
So kann man beispielsweise Bilder von Vorder- und Rückseite, Signaturen, Stempeln, Marken und besonderen Details einschicken und dazuschreiben, was man über Herkunft und Geschichte des Gegenstandes weiß.
Beim Auktionshaus Weidler ist beispielsweise eine Schätzungsanfrage mit Fotos und Beschreibung über ein Einliefererformular möglich. Das Haus bezeichnet die erste Schätzung als kostenlos und unverbindlich. Bei größeren Sammlungen, Nachlässen oder Haushalten werden auch Termine vor Ort angeboten.
Auch Wettmann Kunstauktionen bittet für eine erste Einschätzung um Fotos und Informationen. Bei größeren Sammlungen oder sehr wertvollen Objekten sind dort Hausbesuche möglich.
Das ist für private Verkäufer praktisch: Man kann zunächst herausfinden, ob ein Auktionshaus überhaupt Interesse an dem Stück hat.
Was sollte man für eine Schätzung fotografieren?
Je besser die Fotos, desto leichter kann ein Experte beurteilen, ob sich eine genauere Beschäftigung mit dem Objekt lohnt.
Bei einem alten Gegenstand sollte man deshalb möglichst fotografieren:
- die Vorderseite
- die Rückseite
- die Seiten
- die Unterseite
- Signaturen
- Herstellerzeichen
- Stempel und Punzen
- Etiketten
- Beschädigungen
- besondere Details
- bei Gemälden auch den Rahmen und die Rückseite
Zusätzlich sollte man alles angeben, was über die Herkunft bekannt ist.
Zum Beispiel:
„Das Bild stammt aus dem Nachlass meiner Großmutter. Es hing seit mindestens 1960 im Wohnzimmer meiner Eltern.“
Solche Informationen können für einen Experten wesentlich interessanter sein als eine bloße Angabe wie „altes Bild“.
Schätzung, Taxe und Limit – was bedeuten diese Begriffe?
Hier wird es für Laien schnell etwas verwirrend.
Bei einer Auktion können mehrere Preisangaben eine Rolle spielen.
Der Schätzpreis
Der Schätzpreis ist die Einschätzung des Auktionshauses, welchen Preis ein Objekt voraussichtlich erzielen könnte.
Das ist aber keine Garantie.
Ein Gegenstand kann höher oder niedriger verkauft werden – oder überhaupt keinen Käufer finden.
Der Limitpreis
Der Limitpreis ist dagegen eine Art vereinbarte Untergrenze.
Bei Wettmann beispielsweise wird mit dem Einlieferer ein Limitpreis vereinbart. Unterhalb dieses Preises darf das Objekt dort nicht ohne Zustimmung des Einlieferers verkauft werden.
Auch Nagel Auktionen beschreibt den Limitpreis als vertrauliche Vereinbarung zwischen Einlieferer und Auktionshaus. Unterhalb dieses Limits wird das Objekt nicht verkauft.
Das ist ein wichtiger Unterschied:
Der Schätzpreis sagt, was ungefähr erwartet wird. Der Limitpreis legt fest, ab welchem Betrag ein Verkauf erfolgen darf.
Die genaue Ausgestaltung sollte man sich aber immer im Einlieferungsvertrag erklären lassen.
Und was passiert dann mit meinem Gegenstand?
Wenn das Auktionshaus das Objekt übernehmen möchte und man sich über die Konditionen einigt, wird ein Einlieferungsvertrag geschlossen.
Danach kümmert sich das Auktionshaus um Dinge, die ein privater Verkäufer selbst erledigen müsste:
- professionelle Beschreibung
- Fotografie
- Katalogisierung
- Zuordnung zu einer passenden Auktion
- Bewerbung des Objekts
- Durchführung der Auktion
- Abwicklung mit dem Käufer
Bei Weidler beispielsweise werden Beschreibung und Bilder erstellt und das Objekt sowohl online als auch in einem gedruckten Katalog präsentiert.
Bei Nagel wird das Objekt nach der Einlieferung ebenfalls bearbeitet, beschrieben, fotografiert und im Auktionskatalog veröffentlicht.
Das kann ein erheblicher Vorteil gegenüber einem privaten Verkauf sein.
Online-Auktion oder klassische Auktion?
Eine Auktion muss heute nicht mehr unbedingt in einem Saal stattfinden.
Viele Auktionshäuser bieten inzwischen Online-only-Auktionen an. Die Lose werden dabei über das Internet präsentiert und innerhalb eines bestimmten Zeitraums können Interessenten online Gebote abgeben.
Lempertz beispielsweise veranstaltet neben klassischen Auktionen auch Online-only-Auktionen, unter anderem für Kunstgewerbe, moderne Kunst und asiatische Kunst.
Wettmann führt ebenfalls sowohl Präsenz- als auch monatliche Online-Auktionen durch. Im September 2026 sind dort beispielsweise Online-Auktionen für „Pretty Little Things“ und „Modern Discoveries“ angesetzt.
Für den Verkäufer bedeutet „Online-Auktion“ dabei nicht unbedingt, dass er selbst das Objekt online einstellen muss. Die Vorbereitung und Katalogisierung übernimmt weiterhin das Auktionshaus.
Was kostet der Verkauf über ein Auktionshaus?
Hier sollte man genauer hinschauen.
Auktionshäuser arbeiten in der Regel mit einer Verkäuferprovision, die im Erfolgsfall vom Verkaufserlös abgezogen wird. Zusätzlich können je nach Haus und Objekt weitere Kosten entstehen, beispielsweise für Katalogisierung, Abbildungen, Gutachten, Restaurierungen, Transport oder besondere Dienstleistungen.
Die Konditionen unterscheiden sich erheblich.
Bei Wettmann liegt die Verkäuferprovision nach den aktuell veröffentlichten Angaben je nach Objekt, Sparte und Warenwert zwischen 8 und 20 Prozent des Zuschlagspreises zuzüglich Mehrwertsteuer; Katalog- und Abbildungskosten werden dort nicht berechnet.
Lempertz staffelt seine Verkäuferkommission nach Abteilung und Zuschlagshöhe. Für bestimmte Bereiche kommen dort zusätzlich Kosten für Katalogisierung und Abbildung hinzu.
Deshalb sollte man nicht nur nach der vermeintlich niedrigsten Provision suchen.
Wichtiger ist die Frage:
Welche Leistungen sind darin enthalten – und welche Kosten können zusätzlich entstehen?
Was passiert, wenn niemand das Stück kauft?
Auch das sollte man vor der Einlieferung klären.
Ein Objekt kann trotz interessanter Schätzung unverkauft bleiben. Vielleicht liegt das Limit zu hoch, vielleicht finden sich bei dieser Auktion nicht genügend Interessenten oder der Gegenstand erreicht einfach nicht das erwartete Interesse.
Bei Wettmann entstehen für unverkaufte Objekte nach den derzeit veröffentlichten Angaben keine Kosten; sie können dort beispielsweise reduziert erneut versteigert oder im Shop angeboten werden.
Andere Auktionshäuser können andere Regelungen haben.
Deshalb gehört die Frage „Was passiert mit meinem Objekt, wenn es nicht verkauft wird?“ unbedingt zum Gespräch vor der Einlieferung.
Was ist besser: Antiquitätenhändler oder Auktionshaus?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten.
Ein Händler kann interessant sein, wenn man schnell und unkompliziert verkaufen möchte. Man erhält einen Ankaufspreis und die Sache ist damit erledigt.
Beim Auktionshaus dauert der Vorgang in der Regel länger. Dafür bekommt man Zugang zu einem Käuferkreis, der gezielt nach bestimmten Antiquitäten und Sammlerstücken sucht.
Und während ein Händler beim Ankauf seine eigene Handelsspanne berücksichtigen muss, entsteht bei einer Auktion die Möglichkeit, dass mehrere Interessenten um ein Stück konkurrieren.
Dafür gibt es aber auch keine Garantie für einen bestimmten Verkaufspreis.
Nicht jedes alte Stück gehört ins Auktionshaus
Das ist ebenfalls wichtig.
Ein 30 Jahre alter Wohnzimmerschrank ohne besonderen Hersteller, ein gewöhnliches Service aus Massenproduktion oder eine gebrauchte Vase sind nicht automatisch interessante Auktionsobjekte.
Ein Auktionshaus lebt davon, Stücke anzubieten, für die sich ein entsprechendes Käuferinteresse erwarten lässt.
Deshalb sollte man eine Ablehnung nicht automatisch als Aussage über den Wert verstehen.
„Für unser Haus nicht interessant“ bedeutet nicht zwingend „wertlos“.
Vielleicht ist ein anderes Auktionshaus spezialisiert auf genau diese Objektgruppe. Oder ein Fachhändler ist der bessere Ansprechpartner.
Welche Auktionshäuser kommen infrage?
Es gibt in Deutschland eine große Zahl von Auktionshäusern. Dabei lohnt sich der Blick auf die jeweiligen Spezialgebiete.
Auktionshaus Weidler
Das Nürnberger Auktionshaus arbeitet mit Kunst, Antiquitäten und zahlreichen Sammlungsgebieten. Auf der Website werden unter anderem Schmuck, Uhren, Münzen, Silber, Porzellan, Keramik und Sammlungsobjekte genannt. Auch Schätzungen, Hausbesuche und Nachlassauflösungen gehören zum Angebot.
Nagel Auktionen
Nagel Auktionen in Stuttgart ist ein etabliertes Haus für Kunst, Schmuck und Antiquitäten. Für Einlieferer besteht unter anderem die Möglichkeit, einen Limitpreis zu vereinbaren; vor einer Einlieferung werden die Konditionen und eventuelle zusätzliche Kosten im Auktionsauftrag festgehalten.
WETTMANN Kunstauktionen
Wettmann ist besonders auf Kunst, Antiquitäten, Schmuck und Luxusuhren ausgerichtet und bietet sowohl Präsenz- als auch Online-Auktionen. Das Haus nennt kostenlose mündliche Schätzungen und bietet bei größeren Sammlungen oder sehr wertvollen Objekten auch Hausbesuche an.
Lempertz
Das Kunsthaus Lempertz gehört zu den traditionsreichen deutschen Auktionshäusern. Das Angebot reicht unter anderem von Alter Kunst und Kunstgewerbe über Antiquitäten und Silber bis zu moderner und zeitgenössischer Kunst, Fotografie, Asiatika sowie Uhren und Schmuck. Auch Online-only-Auktionen gehören inzwischen zum Programm.
Ketterer Kunst
Ketterer Kunst ist vor allem auf Kunst spezialisiert und veranstaltet Kunst- und Buchauktionen. Auf der Website können Verkäufer ihr Objekt online anbieten und eine erste Einschätzung einholen. Das Haus veröffentlicht außerdem erzielte Auktionsergebnisse, was für die eigene Recherche interessant sein kann.
Wie finde ich das passende Auktionshaus?
Man muss nicht unbedingt das bekannteste Haus auswählen.
Viel wichtiger ist die Frage:
Hat dieses Auktionshaus Erfahrung mit meinem Gegenstand?
Ein Gemälde eines bekannten Künstlers gehört beispielsweise in eine andere Abteilung als eine Sammlung alter Ansichtskarten. Für eine wertvolle Uhr kann ein auf Uhren und Schmuck spezialisiertes Haus interessanter sein als ein Auktionshaus, dessen Schwerpunkt auf Möbeln liegt.
Vor einer Anfrage lohnt sich deshalb ein Blick in die vergangenen Auktionen.
Welche Objekte wurden dort versteigert?
Welche Preise wurden erzielt?
Gibt es eine Abteilung, die zu meinem Gegenstand passt?
Und kann ich eine erste Schätzung anhand von Fotos erhalten?
Mehrere Einschätzungen können sinnvoll sein
Gerade wenn man einen wertvollen Gegenstand geerbt hat, sollte man sich nicht unbedingt mit der allerersten Einschätzung zufriedengeben.
Das gilt besonders dann, wenn es um viel Geld geht.
Man kann beispielsweise zwei oder drei Auktionshäuser anschreiben und Fotos sowie dieselben Informationen zur Verfügung stellen.
Interessant ist dabei nicht nur der genannte Schätzwert. Man sollte auch fragen:
- Welche Auktion wäre für das Stück vorgesehen?
- Welchen Limitpreis schlägt das Haus vor?
- Wie hoch ist die Verkäuferprovision?
- Welche zusätzlichen Kosten können entstehen?
- Was passiert bei einem Nichtverkauf?
- Wer übernimmt Transport und Versicherung?
- Wie lange dauert es bis zur Auktion?
- Wann wird der Verkaufserlös ausgezahlt?
Erst aus diesen Informationen ergibt sich ein wirklich brauchbares Bild.
Und was hat das alles mit „Bares für Rares“ zu tun?
Wer die Sendung „Bares für Rares“ kennt, kennt das Prinzip: Ein Experte schaut sich einen Gegenstand an, schätzt ihn ein und anschließend versuchen Händler, sich gegenseitig zu überbieten.
Eine echte Auktion funktioniert allerdings anders.
Hier wird nicht einfach ein Gegenstand geschätzt und anschließend automatisch zu diesem Preis verkauft. Das Auktionshaus bereitet das Objekt vor, ordnet es einer Auktion zu und legt gemeinsam mit dem Einlieferer die entsprechenden Bedingungen fest.
Und vor allem gilt:
Eine Schätzung ist kein Versprechen.
Auch ein Objekt mit einer interessanten Taxe kann am Ende unverkauft bleiben. Umgekehrt kann ein begehrtes Stück durch mehrere konkurrierende Bieter einen höheren Zuschlag erzielen als zunächst erwartet.
Genau darin liegt der besondere Reiz einer Auktion.
Erst schätzen lassen, dann entscheiden
Wer ein altes oder ungewöhnliches Stück besitzt, muss nicht sofort selbst einen Preis festlegen und es ins Internet stellen.
Gerade bei möglichen Raritäten kann der erste Schritt viel sinnvoller sein: Fotos machen, Informationen zusammentragen und eine unverbindliche Einschätzung bei einem passenden Auktionshaus anfragen.
Dabei sollte man sich nicht nur für den möglichen Verkaufspreis interessieren. Provisionen, Zusatzkosten, Limitpreis, Versicherung, Transport und die Regelungen bei einem Nichtverkauf gehören ebenfalls zur Entscheidung.
Und vielleicht stellt sich bei der Recherche tatsächlich heraus, dass der unscheinbare Gegenstand vom Dachboden mehr zu bieten hat, als man zunächst dachte.
Dann wird aus dem alten Fundstück vielleicht tatsächlich ein kleiner Fall für „Bares für Rares“ – nur eben mit einem anderen Weg zum Verkauf.
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