Worauf achten beim Verkauf von Antikem, Wertvollem und Rarem?

Worauf achten beim Verkauf von Antikem, Wertvollem und Rarem?

Alltagsgegenstände lassen sich wunderbar via ebay oder Kleinanzeigen verkaufen. Aber was ist mit wertvollen Raritäten und Antiquitäten? Dafür eignen sich beide Plattformen nicht unbedingt so gut. Ein alter Schrank vom Dachboden, eine Vase aus Großmutters Wohnzimmer, eine ungewöhnliche Uhr oder eine Kiste mit alten Münzen: Manchmal schlummern Dinge jahrelang unbeachtet im Keller oder auf dem Dachboden – bis plötzlich die Frage auftaucht: Was könnte das eigentlich wert sein?

Wer Sendungen wie „Bares für Rares“ verfolgt, kennt diesen besonderen Moment. Ein unscheinbarer Gegenstand wird plötzlich interessant, weil sich hinter ihm eine seltene Ausführung, ein bekannter Hersteller oder eine spannende Geschichte verbirgt.

Doch zwischen dem vermeintlichen Schatz und einem guten Verkaufspreis liegen einige Stolpersteine.

Denn nicht alles, was alt ist, ist wertvoll. Und nicht jeder hohe Preis, den man im Internet findet, ist auch ein realistischer Marktpreis.

Erst einmal herausfinden: Was habe ich überhaupt?

Bevor ein altes Stück verkauft wird, sollte man möglichst genau herausfinden, was man da eigentlich besitzt.

Bei einem Möbelstück können beispielsweise Hersteller, Material, Alter, Stil und Zustand eine Rolle spielen. Bei Porzellan sind Marken und Bodenstempel interessant, bei Schmuck Punzen und Materialien, bei Gemälden Signaturen und Provenienz. Bei Münzen können Jahrgang, Prägeort, Erhaltungszustand und Seltenheit entscheidend sein.

Auch die Geschichte eines Gegenstandes kann interessant sein. Gibt es noch eine Rechnung, einen Kaufbeleg, alte Unterlagen oder Informationen darüber, woher das Stück stammt?

Deshalb nicht vorschnell putzen, restaurieren oder wegwerfen. Gerade bei alten Gegenständen können Gebrauchsspuren, originale Oberflächen oder eine unveränderte Patina Teil des Wertes sein.

Was ist mein Stück wirklich wert?

Das ist häufig schwieriger als gedacht, herauszufinden. Eine einfache Suche im Internet liefert zwar schnell zahlreiche vergleichbare Gegenstände – aber daraus lässt sich nicht automatisch der Wert des eigenen Stücks ablesen.

Besonders bei eBay kann das Ergebnis verwirrend sein. Dort findet man manchmal sehr ähnliche Gegenstände zu völlig unterschiedlichen Preisen. Ein Verkäufer verlangt vielleicht 80 Euro, ein anderer 800 Euro und ein dritter sogar mehrere tausend Euro. Ganz klar: Der eine hat gar keine Ahnung, will das Teil nur loswerden, ein anderer hat eine emotionale Bindung und verlangt Mondpreise, der dritte weiß dann vielleicht, was es wert ist. Aber alle drei Angebote behindern sich gegenseitig. Einige Monate später könnte man dann wieder ganz andere Preise einstellen.

Was jemand für einen Gegenstand verlangt, ist nicht automatisch das, was ein Käufer dafür bezahlt.

Wenn man sich online orientieren möchte, sollte man deshalb möglichst auf tatsächlich erzielte Verkaufspreise achten und dabei nur wirklich vergleichbare Stücke heranziehen. Zustand, Größe, Ausführung, Hersteller, Signatur, Vollständigkeit und Seltenheit können einen erheblichen Unterschied machen.

Bei wertvolleren Objekten kann eine professionelle Einschätzung deshalb sinnvoll sein.

Wo kann man Antikes und Rares verkaufen?

Nicht jedes Objekt gehört automatisch zu eBay. Welche Plattform sinnvoll ist, hängt stark davon ab, was verkauft werden soll.

eBay – der große Allrounder

eBay ist für viele Verkäufer die erste Anlaufstelle. Die große Reichweite kann ein Vorteil sein, insbesondere bei Gegenständen, nach denen gezielt gesucht wird.

Gleichzeitig sollte man sich bei der Preisfindung nicht allein an den aktuellen Angeboten orientieren. Gerade bei seltenen Gegenständen können Wunschpreise weit auseinanderliegen.

Auch die eigene Verkäuferreputation spielt bei eBay eine Rolle. Bewertungen, Bewertungspunktestand und detaillierte Verkäuferbewertungen sind für andere Nutzer sichtbar und sollen Vertrauen schaffen.

Vorteil: Das Verkaufen und Kaufen ist sehr sicher geworden. Und das Benehmen ist respektvoll. Wer unfreundlich ist, dreist oder betrügt, kann direkt an den Support gemeldet werden, der sich darum kümmert. Schwarze Schafe können ihr Unwesen nicht lange treiben.

Kleinanzeigen – praktisch für Möbel und größere Stücke

Kleinanzeigen kann besonders bei größeren Gegenständen interessant sein.

Ein antiker Schrank, eine Kommode, ein großer Spiegel oder eine schwere Lampe lässt sich nicht unbedingt sinnvoll verschicken. Bei Kleinanzeigen kann man gezielt Abholung vereinbaren und mit Interessenten aus der Region Kontakt aufnehmen.

Gute Fotos und eine möglichst genaue Beschreibung sind auch hier wichtig.

Nachteil: Hier muss man mit vielen blöden Reaktionen, Fragen und Betrügereien rechnen.

Hood.de – eine Alternative zu eBay

Hood.de ist ein weiterer deutscher Online-Marktplatz. Private Verkäufer können dort sowohl Auktionen als auch Festpreisangebote nutzen.

Für manche Verkäufer kann es interessant sein, nicht ausschließlich auf einem einzigen Marktplatz präsent zu sein.

Etsy – für Vintage statt für beliebige alte Dinge

Etsy wird oft mit Handgemachtem in Verbindung gebracht. Die Plattform hat aber auch einen Vintage-Bereich.

Hier gibt es allerdings eine wichtige Grenze: Vintage-Artikel müssen bei Etsy mindestens 20 Jahre alt sein. Außerdem gelten besondere Regeln dafür, welche Artikel als handverlesen oder kuratiert verkauft werden dürfen.

Etsy kann deshalb beispielsweise für ausgewählte Vintage-Mode, alte Wohnaccessoires oder bestimmte Sammlerstücke interessant sein – aber nicht einfach für jeden gebrauchten Gegenstand.

Delcampe – für Sammler

Wer Briefmarken, Postkarten, Münzen, Banknoten, alte Fotos oder andere Sammelobjekte besitzt, sollte sich auch Delcampe ansehen.

Hier steht das Sammeln deutlich stärker im Mittelpunkt als bei einem allgemeinen Marktplatz. Die Plattform bietet unter anderem Kategorien für Briefmarken, Postkarten, Münzen und Banknoten.

Gerade bei Sammlerobjekten ist es ein Vorteil, wenn man dort auf Menschen trifft, die nach genau solchen Dingen suchen.

Barnebys – der andere Weg zum Auktionshaus

Barnebys funktioniert etwas anders. Barnebys ist keine klassische Verkaufsplattform, sondern eine Suchmaschine für Kunst, Antiquitäten und Sammlerobjekte.

Wer ein interessantes Objekt besitzt, kann dort auch den Weg über ein angeschlossenes Auktionshaus suchen. Barnebys selbst kauft oder verkauft die Gegenstände nicht.

Das kann insbesondere dann interessant sein, wenn es sich um ein hochwertiges oder außergewöhnliches Stück handelt und man nicht selbst den passenden Käufer suchen möchte.

Verkaufsweg Was passiert? Besonders interessant für
Privater Verkauf Käufer und Verkäufer handeln direkt Alltäglicheres, Vintage, kleinere Antiquitäten
Online-Marktplatz Man stellt selbst ein und sucht Käufer Viele verschiedene Gegenstände
Antiquitätenhändler Händler kauft das Stück direkt an Antiquitäten, Möbel, Sammlerstücke
Auktionshaus Stück wird für eine Auktion eingeliefert Interessante, seltene oder wertvolle Objekte
Spezialisierter Händler Fachmann für eine bestimmte Objektgruppe Münzen, Uhren, Schmuck, Briefmarken etc.

Wann ist ein Auktionshaus sinnvoll?

Bei einem wertvollen Einzelstück würde ich nicht automatisch den Weg über einen normalen Online-Marktplatz wählen.

Ein spezialisiertes Auktionshaus kann beispielsweise bei hochwertiger Kunst, Schmuck, seltenen Antiquitäten, besonderen Uhren oder außergewöhnlichen Sammlerstücken interessant sein.

Der Vorteil: Das Objekt wird einem Publikum präsentiert, das gezielt nach solchen Dingen sucht.

Allerdings sollte man sich vorher über die Konditionen informieren. Beim Verkauf können beispielsweise Provisionen und weitere Kosten entstehen.

Und auch hier gilt: Eine Schätzung ist keine Garantie dafür, dass ein bestimmter Preis tatsächlich erzielt wird.

Was soll verkauft werden? Möglicher Verkaufsweg
Gebrauchtes älteres Möbelstück Kleinanzeigen
Normale Antiquität eBay / spezialisiertes Auktionshaus
Porzellan, Silber, Glas Auktionshaus / Fachhändler
Münzen, Briefmarken, Postkarten Delcampe / Spezialauktion
Alte Bücher spezialisiertes Auktionshaus
Schmuck oder Uhr Fachauktion
Hochwertige Kunst etabliertes Kunstauktionshaus
Kompletter Nachlass Auktionshaus mit Nachlassabwicklung
Ungewöhnliches Einzelstück zunächst Schätzung einholen

Vorsicht mit vermeintlichen Schnäppchen und Traumpreisen

Wer sein Objekt selbst recherchiert, sollte sich nicht nur die teuersten Ergebnisse ansehen.

Ein einzelnes Angebot für 5.000 Euro bedeutet nicht, dass das eigene Stück ebenfalls 5.000 Euro wert ist.

Genauso wenig beweist ein sehr günstiges Angebot, dass ein Gegenstand grundsätzlich wenig wert ist.

Bei Antiquitäten kommt es oft auf Details an, die auf den ersten Blick kaum auffallen.

Deshalb sollte man möglichst mehrere vergleichbare Objekte betrachten und sich fragen:

  • Sind sie wirklich vom gleichen Hersteller?
  • Stimmen Alter und Modell überein?
  • Ist der Zustand vergleichbar?
  • Gibt es dieselbe Signatur oder Herstellermarke?
  • Ist das Stück vollständig?
  • Wurde es restauriert oder repariert?
  • Handelt es sich tatsächlich um ein Original?
  • Wurde der Preis nur verlangt oder wurde der Gegenstand dafür auch verkauft?

Das eigene eBay-Profil nicht unterschätzen

Wer eBay sowohl zum Kaufen als auch zum Verkaufen nutzt, sollte sich gelegentlich das eigene Profil aus der Perspektive eines Fremden ansehen.

Das eBay-Bewertungsprofil enthält unter anderem den Bewertungspunktestand, Bewertungen und Kommentare. Für Verkäufer müssen die Bewertungsinformationen öffentlich sichtbar sein.

Auch die eigene Profilseite kann geteilt werden. eBay sieht dafür ausdrücklich eine Möglichkeit über soziale Medien, E-Mail und Messenger vor.

Deshalb sollte man überlegen, ob man wirklich den persönlichen eBay-Account mit allen seinen Facetten als Verkaufsprofil in den sozialen Netzwerken verbreiten möchte.

Das bedeutet nicht, dass private Käufe automatisch öffentlich sichtbar sind oder einem Verkäufer schaden. Es geht vielmehr um die Frage:

Wie viel möchte ich von meinem persönlichen Einkaufs- und Verkaufsverhalten mit einer öffentlichen Verkäuferidentität verbinden?

Wer regelmäßig hochwertige Antiquitäten verkauft, kann beispielsweise darauf achten, dass Nutzername, Profilbild und Beschreibung seriös und unaufgeregt wirken.

Und wer einen Verkaufslink auf Instagram, Facebook oder der eigenen Website teilt, sollte vorher wissen, wohin dieser Link führt: zu einem einzelnen Angebot oder zum persönlichen Verkäuferprofil?

Das Verkäuferprofil plus das Schaufenster mit weiteren Angeboten lassen sich mit einem Klick aufrufen. Daran denken nicht alle ebay-Nutzer.

Gute Fotos sind bei alten Gegenständen besonders wichtig

Bei einem neuen Produkt kann der Käufer oft anhand von Hersteller und Modellnummer einschätzen, was ihn erwartet. Bei einem alten Einzelstück ist das schwieriger.

Deshalb sollte man möglichst viele aussagekräftige Fotos machen:

  • Vorderseite und Rückseite
  • Unterseite
  • Herstellermarken und Signaturen
  • Stempel und Punzen
  • Beschädigungen
  • Gebrauchsspuren
  • Reparaturen
  • Details und Besonderheiten

Bei Sammlerobjekten können gerade solche Details entscheidend sein. Auch Barnebys weist beispielsweise darauf hin, dass Fotos von Signaturen, Stempeln, Inschriften und Herstellermarken für eine Einschätzung wichtig sein können.

Lieber ehrlich beschreiben als etwas schöner machen

„Altersbedingte Gebrauchsspuren“ klingt natürlich besser als „deutliche Kratzer“.

Beim Verkauf eines wertvollen alten Gegenstandes sollte man trotzdem möglichst konkret bleiben.

Ein Käufer, der einen Kratzer erst nach dem Auspacken entdeckt, wird sich eher ärgern als jemand, der vorher genau darüber informiert wurde.

Auch Formulierungen wie „vermutlich aus dem 19. Jahrhundert“ sollten wirklich nur verwendet werden, wenn es dafür nachvollziehbare Anhaltspunkte gibt.

Wer etwas nicht weiß, darf das auch sagen.

„Alter und Hersteller konnten von mir nicht eindeutig bestimmt werden“ ist seriöser als eine spektakuläre, aber unbelegte Behauptung.

Und manchmal ist der beste Verkauf gar kein schneller Verkauf

Gerade bei Dingen, die aus einem Nachlass stammen oder lange in der Familie waren, muss man nicht sofort zur Verkaufsplattform greifen.

Vielleicht lohnt es sich zunächst, Informationen zu sammeln, alte Familienunterlagen durchzusehen oder einen Fachmann zu fragen.

Denn zwischen „Das ist altes Geschirr“ und „Das ist ein seltenes Service eines bestimmten Herstellers“ können Welten liegen.

Und genau das macht den Reiz solcher Gegenstände aus: Manchmal beginnt die eigentliche Geschichte erst in dem Moment, in dem man genauer hinsieht.

Also: Erst gründlich recherchieren, dann verkaufen

Wer Antikes, Wertvolles oder Seltenes verkaufen möchte, sollte sich nicht von einem einzelnen Internetpreis leiten lassen.

Besser ist es, zunächst herauszufinden, was man besitzt, wie selten es ist und welche Preise für wirklich vergleichbare Stücke erzielt werden.

Danach kann man entscheiden, welcher Verkaufsweg passt: großer Marktplatz, Kleinanzeigen, Sammlerplattform, Vintage-Shop oder spezialisiertes Auktionshaus.

Und vielleicht stellt sich am Ende sogar heraus, dass der vermeintliche Dachbodenfund tatsächlich etwas Besonderes ist.

Ganz wie bei „Bares für Rares“ – nur dass man vorher selbst ein wenig genauer hinschauen muss.

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